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Die gesellschaftlichen Folgen der Coronakrise

27. März 2020

Durch die Coro­na­kri­se wird die beschleu­nig­te Gesell­schaft zum Inne­hal­ten gezwun­gen und die ohne­hin pre­kä­re Soli­da­ri­tät auf eine har­te Pro­be gestellt. Die Gesell­schaft wird sich schon des­halb ver­än­dern, weil Gesell­schaft­lich­keit im eigent­li­chen Sin­ne, näm­lich die Zusam­men­kunft unter­schied­li­cher Men­schen, struk­tu­rell auf unab­seh­ba­re Zeit unmög­lich sein wird. Die Gesell­schaft selbst wird nach die­ser Kri­se wie­der natio­na­ler gedacht und ver­fasst wer­den, und die Nach­bar­schaft eine ganz neue Bedeu­tung und einen ande­ren Stel­len­wert haben. Sozia­le Unter­schie­de wer­den sich in der Kri­se redu­zie­ren, aber danach wie­der ver­schär­fen, wes­halb die zen­tra­le Auf­ga­be ist, die ent­ste­hen­de orga­ni­sche Soli­da­ri­tät zu bewah­ren.

Die Coronakrise als Herausforderung für Gesellschaftlichkeit an sich

Eine Gesell­schaft ist wesent­lich durch geteil­te Nor­men und Wer­te (Haidt: 2012), Mit­glied­schaf­ten zud Zuge­hö­rig­keit (Wal­zer: 2006), gegen­sei­ti­ge Kom­mu­ni­ka­ti­on (Luh­mann: 1994) und gemein­sa­mes Han­deln (Rous­se­au: 2010) geprägt. All die­se Din­ge haben bis jetzt wesent­lich in Gesell­schaft, das heißt rea­len phy­si­schen Ver­samm­lun­gen statt­ge­fun­den. Ob Wah­len, Demons­tra­tio­nen, Fei­ern, Kar­ne­val, Par­la­men­ta­ris­mus, Fes­ti­vals oder vie­le ande­re For­ma­te: Gesell­schaft wur­de dort kon­kret, wo Men­schen sich phy­sisch ver­sam­melt haben. Dies wie­der­um ist jetzt jedoch, im Kon­text der Pan­de­mie, tem­po­rär nicht oder nur höchst ein­ge­schränkt mög­lich, was für jede Gesell­schaft eine Bedro­hung vor­aus­setzt. Denn Gesell­schaft­lich­keit ist Vor­aus­set­zung einer Gesell­schaft, eben­so ein gemein­sa­mes Ver­bun­den­heits­ge­fühl (Durk­heim: 1977) und eine Akzep­tanz von bestimm­ten Hand­lun­gen und Ent­schei­dun­gen (Boltanski/Thèvenot: 2007). Alle drei Grund­vor­aus­set­zun­gen sind jetzt, in Zei­ten der Coro­na­kri­se, immer weni­ger gege­ben, wes­halb das Zusam­men­ge­hö­rig­keits­ge­fühl schwin­den kann und dann Men­schen immer stär­ker ego­is­tisch und vor allem ego­zen­trisch han­deln (vgl. Kock/Kutzner: 2018). Ein bered­tes Bei­spiel hier­für sind die sprung­haft ange­stie­ge­nen Waf­fen­ver­käu­fe in den USA, aber auch der Dieb­stahl von Atem­schutz­mas­ken und Des­in­fek­ti­ons­mit­teln aus Kran­ken­häu­sern.

Vorübergehende Umkehrung vorheriger gesellschaftlicher Entwicklungstendenzen innerhalb der Coronakrise

Eine Gesell­schaft ist grund­sätz­lich immer im Wan­del begrif­fen. Die letz­ten Jahr­zehn­te haben jedoch eine deut­li­che Beschleu­ni­gung gesell­schaft­li­cher Ver­än­de­rungs­pro­zes­se her­vor­ge­bracht (Rosa: 2012). Fast all die­se Ver­än­de­run­gen wer­den sich jetzt jedoch, im Kon­text der Kri­se, ver­än­dern und teil­wei­se umkeh­ren, und zwar umso stär­ker, je län­ger die Kri­se andau­ert.

Unse­re Gesell­schaft ist ins­be­son­de­re im Lau­fe des 20. Jahr­hun­derts immer indi­vi­dua­lis­ti­scher gewor­den, ins­be­son­de­re in west­li­chen Kul­tu­ren (Rosa: 2005). Die­se Indi­vi­dua­li­sie­rung, wel­che eine tief­grei­fen­de gesell­schaft­li­che Ver­än­de­rung dar­stellt, hat vie­le Ursa­chen. Ganz wesent­lich ist hier­bei aller­dings das Stre­ben nach Selbst­ver­wirk­li­chung (Mutz/Kämpfer: 2013). Die­se Idee, die wesent­lich von Abra­ham Maslow pro­pa­giert wur­de und die an der Spit­ze sei­ner berühm­ten Bedürf­nis­py­ra­mi­de steht, hieß und heißt ja, dass man sich erst ein­mal auf sich selbst und die eige­nen Wün­sche und Bedürf­nis­se besin­nen soll. Man muss sich selbst ken­nen, um sich selbst ver­wirk­li­chen zu kön­nen. Und der Impe­ra­tiv der Selbst­ver­wirk­li­chung heißt, dass die Erfül­lung der eige­nen Bedürf­nis­se grund­sätz­lich als legi­tim ange­se­hen wird. In indi­vi­dua­lis­tisch ver­fass­ten, moder­nen Gesell­schaf­ten ist dies so. In vor­mo­der­nen Gesell­schaf­ten ging es jedoch viel stär­ker dar­um, Erwar­tun­gen zu erfül­len, Rol­len aus­zu­fül­len und Tra­di­tio­nen zu ach­ten (Haber­mas 1973:32).  Über­spitzt for­mu­liert: Weder inner­halb des preu­ßi­schen Obrig­keits­staa­tes noch auf dem Land in Bay­ern war Selbst­ver­wirk­li­chung über­haupt vor­ge­se­hen. Und für vie­le älte­re Men­schen ist auch heu­te noch die Pflicht­er­fül­lung viel rele­van­ter als irgend­ei­ne Form der Selbst­ver­wirk­li­chung (Ing­le­hart: 1989). Nur: In der Coro­na­kri­se sind zen­tra­le Aspek­te der Selbst­ver­wirk­li­chung schlicht unmög­lich und ver­bo­ten, denn sehr häu­fig ist Selbst­ver­wirk­li­chung nur gemein­sam mit ande­ren mög­lich.

Die Gesell­schaft ist auch, jeden­falls zu immer grö­ße­ren Antei­len, inter­na­tio­na­ler und sogar glo­ba­ler gewor­den. Gera­de inner­halb Euro­pas hat tat­säch­lich eine immer stär­ke­re Inte­gra­ti­on statt­ge­fun­den (Haber­mas: 2011), bei der Bil­lig­flie­ger und das Eras­­mus-Bil­­dungs­­­pro­gramm eine ent­schei­den­de Rol­le gespielt haben. Die Idee einer Welt­ge­sell­schaft, einer tat­säch­li­chen Kos­mo­po­lis (Ash: 2016), sie hat ins­be­son­de­re nach dem Zusam­men­bruch des Ost­blocks (Priest­land: 2009) an Aktua­li­tät und lebens­welt­li­cher Rele­vanz gewon­nen. Auch poli­tisch haben glo­ba­le Orga­ni­sa­tio­nen, hat der Mul­ti­la­te­ra­lis­mus als ord­nen­des Prin­zip deut­lich an Bedeu­tung hin­zu­ge­won­nen (Hey­ne: 2015), was auch die Gesell­schaf­ten zuneh­mend trans­na­tio­na­li­siert hat. Die­ser Pro­zess der gesell­schaft­li­chen Glo­ba­li­sie­rung hat mit der Wahl Donald Trumps und ande­rer auto­ri­tä­rer Herr­scher einen ers­ten Ein­bruch erlit­ten (Brow­ning: 2018; Gei­sel­ber­ger: 2017). Jetzt aber, in Zei­ten der Coro­na­kri­se, wer­den wir eine gesell­schaft­li­che Deglo­ba­li­sie­rung ers­ten Ran­ges erle­ben. Die Grenz­schlie­ßun­gen, Ein­­rei­­se- und Aus­rei­se­ver­bo­te sowie die Fokus­sie­rung auf die jeweils eige­nen Staats­bür­ge­rin­nen und Staats­bür­ger wird dafür sor­gen, dass die geleb­te, prak­ti­zier­te, all­täg­li­che Diver­si­tät weni­ger wer­den wird (vgl. Kühl­mann: 2013). An die­ser durch die Coro­na­kri­se beding­ten Rena­tio­na­li­sie­rung der Gesell­schaft wer­den nicht weni­ge fest­hal­ten wol­len (Kop­petsch: 2019). Natür­lich wer­den jetzt Video­kon­fe­ren­zen, vir­tu­el­le Teams und Zusam­men­ar­beit auch nach wie vor inter­na­tio­nal wie glo­bal mög­lich sein. Für die gesell­schaft­li­che Inte­gra­ti­on ist jedoch All­tag und regel­mä­ßi­ge Inter­ak­ti­on unab­ding­bar.

Unse­re Gesell­schaf­ten sind jedoch nicht nur indi­vi­dua­lis­ti­scher und inter­na­tio­na­ler gewor­den, son­dern sie sind zuneh­mend zu Gesell­schaf­ten der Sin­gu­la­ri­tä­ten gewor­den (Reck­witz: 2018). Das heißt, Men­schen wol­len zuneh­mend nicht mehr nur indi­vi­du­ell sein, son­dern beson­ders, ein­zig­ar­tig. Um dies tun zu kön­nen, ist es wich­tig, sich von ande­ren zu unter­schei­den. Das Bedürf­nis danach, sich von ande­ren abzu­he­ben, nach Dis­tink­ti­on inner­halb einer Gesell­schaft ist gestie­gen (vgl. Kop­petsch: 2015; Bour­dieu: 2007). In der Coro­na­kri­se ist es jedoch sehr schwer, sich als ein­zig­ar­tig zu emp­fin­den und von ande­ren zu unter­schei­den, denn es sit­zen tat­säch­lich alle im glei­chen Boot bzw. zu Hau­se. Die Zur­schau­stel­lung des eige­nen Lebens wie ein Kunst­werk mit­tels der sozia­len Netz­wer­ke, wie es gera­de in den letz­ten Jah­ren geschah (Reck­witz: 2018; Schro­er: 2014), wird kaum noch mög­lich sein, da die Unter­schie­de daheim nicht so groß sind wie außer­halb. Genau­so zu sein wie ande­re, sich nicht zu unter­schei­den und ein­fach ganz nor­mal betrof­fen zu sein von der Kri­se, wird für vie­le Men­schen eine inter­es­san­te, für man­che auch durch­aus ver­stö­ren­de Erfah­rung sein, da sie mit ihrem bis­he­ri­gen Selbst­bild, etwas Beson­de­res zu sein, kontrastiert.Zusammengefasst wird die Gesell­schaft zunächst weni­ger indi­vi­dua­lis­tisch, weni­ger glo­bal und Men­schen wer­den sich vor­über­ge­hend als gleich betrof­fen und nicht als etwas Beson­de­res emp­fin­den. Die­se Erfah­rung wird ins­be­son­de­re für die zuneh­men­de Zahl Nar­ziss­t­in­nen und Nar­ziss­ten schmerz­haft (War­detz­ki: 2018)

Die Coronakrise und die soziale Ungleichheit

In der Kri­se gibt es ins­ge­samt betrach­tet enor­me Ver­lus­te für alle. Die­se wer­den sich jedoch unter­schied­lich ver­tei­len. Durch die mul­ti­plen Bör­sen­crashs seit Beginn der Coro­na­kri­se wird der glo­ba­le Reich­tum zwar weni­ger, aber durch­aus etwas glei­cher ver­teilt. Denn es sind durch­aus Ret­tungs­maß­nah­men wie das Kurz­ar­bei­ter­geld ange­dacht und sinn­voll. Bör­sen­ver­lus­te wer­den aber sicher nicht ent­schä­digt wer­den, schon allein weil dies nicht dar­stell­bar ist.

Jedoch wird die Kri­se nach Been­di­gung die sozia­le Ungleich­heit noch ver­stär­ken. Denn Men­schen und Fami­li­en, die bereits vor­her über ent­spre­chen­de finan­zi­el­le Rück­la­gen ver­füg­ten wer­den die­se Kri­se unbe­scha­de­ter über­ste­hen, ins­be­son­de­re auch psy­chisch, da sie kei­ne Exis­tenz­nö­te ver­spü­ren wer­den, was ins­be­son­de­re psy­chi­sche Belas­tun­gen senkt. Men­schen, die über eine ent­spre­chen­de sozia­le Her­kunft, ein umfas­sen­des kul­tu­rel­les Kapi­tal (also Wis­sen und Bil­dungs­ab­schlüs­se) ver­fü­gen (vgl. Salikutlic/Heyne: 2014; Bour­dieu: 2007), wer­den auch hier deut­lich bes­ser durch die Kri­se kom­men. Soll­ten sie arbeits­los wer­den, kom­men sie leich­ter in neue Jobs. Vor allem aber geben Sie ihren Kin­dern mit hoher Wahr­schein­lich­keit in die­ser Pha­se des Home­schoo­ling mehr Wis­sen mit. Für das Ide­al der Chan­cen­gleich­heit in Bil­dungs­we­sen ist die Coro­na­kri­se fatal, da die Anre­gungs­be­din­gun­gen der Eltern­häu­ser für ihre Kin­der unter­schied­lich ver­teilt sind, und Bil­dungs­un­ter­schie­de sich dann zuver­läs­sig in sozia­le Unter­schie­de über­set­zen.

Ent­schei­dend wird sein, ob die getrof­fe­nen Maß­nah­men inner­halb der Kri­se als gerecht erlebt wer­den. Denn wir Men­schen sind nun ein­mal in hohem Maße Ver­gleichs­we­sen (Grasseni/Origo: 2018; Haidt: 2012). Ins­be­son­de­re dann, wenn die von der Kri­se am stärks­ten gebeu­tel­ten Per­so­nen­grup­pen (wie die Beschäf­tig­ten im Hotel- und Gast­stät­ten­ge­wer­be, die klei­nen Selb­stän­di­gen) am meis­ten pro­fi­tie­ren, besteht die Chan­ce, dass der gesell­schaft­li­che Zusam­men­halt bewahrt bleibt (Wal­zer: 2006; Rawls: 1979). Es besteht jedoch eine viel grö­ße­re Wahr­schein­lich­keit dafür, dass das Ent­schei­den unter Unsi­cher­heit zu als unge­recht emp­fun­de­nen Ent­schei­dun­gen führt, was dann den sozia­len Zusam­men­halt schwächt und bis zu einem Zustand der Gesetz­lo­sig­keit, der Ano­mie füh­ren kann (Durk­heim: 1977). Vor allem dadurch, dass das Ein­ge­sperrt­sein gegen den Grund­wert der per­sön­li­chen Frei­heit ver­stößt (Haidt: 2012) und damit Reak­tanz aus­löst, kön­nen in Kom­bi­na­ti­on mit gefühl­ter Unge­rech­tig­keit und mate­ri­el­ler Ver­elen­dung oder (erwart­ba­ren) Ver­sor­gungs­eng­päs­sen sogar Auf­stän­de und kol­lek­ti­ve Gewalt­ak­te die Fol­ge der Coro­na­kri­se sein. Die­se gilt es durch klu­ge Kom­mu­ni­ka­ti­on, einen hand­lungs­fä­hi­gen Staat und die Auf­recht­erhal­tung von Gesell­schaft auch ohne kon­kre­te Gesel­lig­keit und Gesell­schaft­lich­keit zu ver­hin­dern.

Abgeleitete Maßnahmen:

  1. Es muss deut­lich wer­den, dass alle zurück­ste­cken müs­sen, um das Gerech­tig­keits­emp­fin­den und damit die Soli­da­ri­tät zu wah­ren
  2. Es soll­te auch kom­mu­ni­ka­tiv deut­lich wer­den, dass der Staat sich beson­ders um die­je­ni­gen in der Gesell­schaft küm­mert, die am stärks­ten von der Coro­na­kri­se getrof­fen sind
  3. Ein­schrän­kun­gen der Rei­se­frei­heit soll­ten nur so lan­ge auf­recht­erhal­ten blei­ben wie es unbe­dingt not­wen­dig ist
  4. Durch gemein­sa­me, in Gesell­schaft vor­ge­tra­ge­ne Erzäh­lun­gen, wie Men­schen die Kri­se gemeis­tert haben, kann das Zusam­men­ge­hö­rig­keits­ge­fühl, die orga­ni­sche Soli­da­ri­tät (Durk­heim: 1977) gestärkt wer­den
  5. Nach­bar­schafts­netz­wer­ke, Quar­tiers­ma­nage­ment und Begeg­nungs­zen­tren soll­ten gestärkt und aus­ge­baut wer­den, um Soli­da­ri­tät zu insti­tu­tio­na­li­sie­ren, auch über die Kri­se hin­aus.
  6. Sor­gen­te­le­fo­ne soll­ten zuneh­mend als Video­kon­fe­ren­zen orga­ni­siert wer­den, um zumin­dest etwas mehr mensch­li­che Inter­ak­ti­on zu haben
  7. Nach der Kri­se soll­te es beson­de­re För­der­pro­gram­me für Kin­der aus bil­dungs­fer­nen Fami­li­en geben (affir­ma­ti­ve action), um die ent­stan­de­nen Bil­dungs­un­ter­schie­de nicht zu groß wer­den zu las­sen
  8. Die Zeit­ge­mäß­heit des Anspru­ches auf Sin­gu­la­ri­tät soll­ten alle kri­tisch reflek­tie­ren.

Lite­ra­tur:

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Ing­le­hart, Ronald (1989). Kul­tu­rel­ler Umbruch. Wert­wan­del in der west­li­chen Welt. Frank­furt am Main: Cam­pus.

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Kop­petsch, Cor­ne­lia (2015). Die Wie­der­kehr der Kon­for­mi­tät. Streif­zü­ge durch die gefähr­de­te Mit­te. Frank­furt am Main: Cam­pus.

Kühl­mann, Tors­ten (2013). Inter­na­tio­na­ler Per­so­nal­ein­satz. In Schuler, Heinz/Kanning, Uwe-Peter (Hg.). Lehr­buch der Per­so­nal­psy­cho­lo­gie. Göt­tin­gen: Hog­re­fe. S. 847-888.

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War­detz­ki, Bär­bel (2018). Nar­ziss­mus, Ver­füh­rung und Macht. Mün­chen: Gold­mann.

Die ökonomischen Folgen der Coronakrise

23. März 2020

Einleitung: Die Coronakrise als gleichzeitiger Einbruch der Angebots- und Nachfrageseite

Die Coro­na­kri­se stellt eine tief­grei­fen­de öko­no­mi­sche Kri­se dar, wel­che die Fol­gen der Welt­wirt­schafts­kri­se 2008ff. deut­lich über­tref­fen wird. Sie ist gekenn­zeich­net dadurch, dass simul­tan sowohl das Ange­bot als auch die Nach­fra­ge ins­ge­samt dras­tisch zurück­ge­hen wird. Sie wird nicht nur krea­ti­ve Zer­stö­rung im Sin­ne Schum­pe­ters, son­dern auch viel destruk­ti­ve Zer­stö­rung schaf­fen und ein Wie­der­auf­bau­pro­gramm not­wen­dig machen, wel­ches von bis dahin weit­ge­hend über­schul­de­ten Staa­ten zu stem­men sein wird, wel­che die Kri­se mas­siv abfe­dern muss­ten. Jedoch wer­den ein­zel­ne Bran­chen und Betrie­be auch pro­fi­tie­ren, und zwar sehr stark, weil die Ten­denz zu the-win­­ner-takes-it-all Märk­ten vor­an­schrei­tet. Und die Digi­ta­li­sie­rung wird stark, aber eben­falls ungleich vor­an­ge­trie­ben wer­den.

Coronakrise: Die viel beschworene VUKA-Welt live

In immer mehr öko­no­mi­schen Wer­ken wird beschrie­ben, dass die heu­ti­ge, post­mo­der­ne Wirt­schafts­welt sich mit dem Akro­nym (jeder Buch­sta­be steht für ein Wort) VUKA beschrei­ben lässt. VUKA steht für Vola­ti­li­tät (star­ke Schwan­kun­gen), Unsi­cher­heit, Kom­ple­xi­tät (vie­le Ele­men­te mit vie­len Ver­bin­dun­gen und hoher Eigen­dy­na­mik) und Ambi­gui­tät, das heißt Wider­sprüch­lich­keit in der Infor­ma­ti­ons­la­ge (Preußig/Sichart: 2019; Roth­lauf: 2014).

In der Coro­na­kri­se offen­bart sich all dies in ekla­tan­tem Maße. Die Bör­se hat­te rund um den Glo­bus Aus­schlä­ge, also Vola­ti­li­tä­ten, wie zuletzt bei der Welt­wirt­schafts­kri­se 1929. Vie­le Din­ge, die geplant wur­den, muss­ten und müs­sen jetzt abge­sagt wer­den. Die Ein­nah­me­ver­lus­te sind dra­ma­tisch ein­ge­bro­chen, was eine so noch nicht gekann­te Schwan­kung dar­stellt. Stand jetzt gibt es eine enor­me Unsi­cher­heit, wie lan­ge die jet­zi­ge Situa­ti­on andau­ert, was noch an Maß­nah­men alles kom­men wird und wie die Beschäf­tig­ten und die Unter­neh­men betrof­fen sind. Die Kom­ple­xi­tät der Situa­ti­on zeigt sich allein dar­aus, dass aus einer glo­ba­len Pan­de­mie eine glo­ba­le Welt­wirt­schafts­kri­se wur­de, bei der vie­le Maß­nah­men auch unge­ahn­te Fern- und Neben­wir­kun­gen haben (Dör­ner: 2010). Die Grenz­schlie­ßun­gen beein­flus­sen Lie­fer­ket­ten. Hams­ter­käu­fe zie­hen wei­te­re Hams­ter­käu­fe nach sich und schon jetzt gerät die digi­ta­le Infra­struk­tur an ihre Gren­zen, da nie­mand davon aus­ging, dass gan­ze Län­der und Volks­wirt­schaf­ten ein­mal gleich­zei­tig Home-Office machen wür­den. Zudem ist mit wider­sprüch­li­chen Infor­ma­tio­nen umzu­ge­hen (vgl. Boltanski/Chiapello: 2006). Erschien die Situa­ti­on vor einer Woche noch beherrsch­bar, so ist jetzt schon ein Aus­nah­me­zu­stand, der mit Aus­gangs­sper­ren noch ver­schärft wird. Die vie­len ver­schie­de­nen Pro­gno­sen wagen sehr wider­sprüch­li­che Sze­na­ri­en. All dies über­for­dert vie­le Men­schen, vor allem ihr Bedürf­nis nach Klar­heit und gedank­li­cher Sicher­heit (vgl. Haidt: 2012).

Wen trifft die Krise am härtesten?

Die Kri­se trifft all die­je­ni­gen beson­ders, deren Geschäfts­mo­dell auf der phy­si­schen Prä­senz ande­rer Men­schen beruht. Dies ist zunächst erst ein­mal das Hotel- und Gast­stät­ten­ge­wer­be, wel­ches am unmit­tel­bars­ten von Aus­gangs­sper­ren bedroht ist. Künst­le­rin­nen und Künst­ler, Wei­ter­bil­dungs­an­bie­ter, die ver­schie­dens­ten Dienst­leis­ter, aber auch der Ein­zel­han­del, der kei­nen Online-Ver­­­sand hat oder als sys­tem­re­le­vant ange­se­hen wird, steht vor mas­si­ven Pro­ble­men. Alle Leih­ar­bei­te­rin­nen und Leih­ar­bei­ter sowie Men­schen in aty­pi­schen Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­sen (vgl. Sie­ben­hü­ter: 2014; Lorey: 2013) wer­den nicht ein­fach nur Kurz­ar­bei­ter­geld bekom­men, son­dern mög­li­cher­wei­se kom­plett ihr Arbeits­ein­kom­men ver­lie­ren und sehr schnell auf die sozia­len Siche­rungs­sys­te­me ange­wie­sen sein.

Klei­ne Betrie­be ohne hohe Eigen­ka­pi­tal­de­cke, die beson­ders von der Insol­venz bedroht sind, land­wirt­schaft­li­che Betrie­be, die zum einen auf Arbeits­kräf­te aber auch auf die jetzt eigent­lich erfol­gen­den Ern­ten ange­wie­sen sind sowie diver­se Zulie­fer­er­be­trie­be, die jetzt unter den Spar­maß­nah­men ihrer Haupt­auf­trag­ge­ber lei­den, sowie vor allem deren Beschäf­tig­te, wer­den beson­ders stark von der stärks­ten Wirt­schafts­kri­se seit 1929 getrof­fen wer­den. Ihnen muss beson­ders gehol­fen wer­den, denn sie kön­nen nichts dafür, dass die­se Kri­se sich so der­ma­ßen aus­ge­brei­tet hat.

Das mikro- und makroökonomische Problem der Rationalitätenfalle in der Krise

In der jet­zi­gen Kri­se sind vie­le Men­schen ver­un­si­chert, oft auch pes­si­mis­tisch und ver­ängs­tigt. Dafür gibt es objek­tiv sehr gute Grün­de ange­sichts der tief­grei­fen­den Wirt­schafts­kri­se, die jetzt noch an ihrem Anfang steht. Eine grund­le­gen­de mensch­li­che Ten­denz ist dann die, auf bewähr­tes Ver­hal­ten zurück­zu­grei­fen sowie die eige­nen Res­sour­cen zu sichern. Öko­no­misch gespro­chen heißt das: es wird gespart. Und zwar so rich­tig. Denn es gilt, das Geld zusam­men­zu­hal­ten, um nicht in die Insol­venz zu rut­schen oder Ver­mö­gens­ver­lus­te zu begren­zen. Die­ses Ver­hal­ten ist indi­vi­du­ell total ratio­nal. Volks­wirt­schaft­lich gese­hen sieht dies jedoch anders aus, denn das indi­vi­du­el­le Spa­ren sorgt für kol­lek­ti­ve Umsatz­ein­brü­che, was dann natür­lich wei­te­re Spar­maß­nah­men, Mas­sen­ent­las­sun­gen der Unter­neh­men etc. nach sich zieht. Die Ratio­na­li­tä­ten­fal­le als Kon­zept (Krell 2019: 15) besagt also: was indi­vi­du­ell ratio­nal ist, kann bei hin­rei­chend gro­ßer Anzahl kol­lek­tiv irra­tio­nal sein. Genau des­halb ist es rich­tig, dass jetzt die natio­na­len Regie­run­gen und die Euro­päi­sche Zen­tral­bank umfang­rei­che Pro­gram­me auf­le­gen, um die­se dra­ma­ti­schen Nach­fra­ge­ein­brü­che zumin­dest abzu­puf­fern und Liqui­di­tät zu sichern. Das Pro­blem ist aller­dings auch: Spä­tes­tens, wenn es Aus­gangs­sper­ren gibt, ist es auch gar nicht mehr so leicht, über­haupt Geld aus­zu­ge­ben. Denn nicht jedes Pro­dukt und schon gar nicht jede Dienst­leis­tung ist online rea­li­sier­bar.

Es wird also dar­auf ankom­men, dass Men­schen wie­der inves­tie­ren und kon­su­mie­ren, sobald das Schlimms­te über­stan­den ist. Dafür ist es, trotz aller Ver­un­si­che­rung, wich­tig, dann Opti­mis­mus aus­zu­strah­len. Aller­dings wird sich auch vie­les an Inves­ti­tio­nen und Dienst­leis­tun­gen schlicht auf­ge­staut haben und nur dar­auf war­ten, dann end­lich wie­der rea­li­siert zu wer­den.

Sunk costs als zukünftiges Investitionshemmnis

Die Coro­na­kri­se und ihre Schwe­re war nicht ein­mal im Ansatz vor­her­seh­bar. Es sind vie­le Inves­ti­tio­nen jetzt getä­tigt wor­den, die ent­we­der nicht been­det wer­den kön­nen, die nicht rea­li­siert wer­den kön­nen oder nicht im Ansatz amor­ti­siert wer­den kön­nen. Ob eine geplan­te Hoch­zeit, eine Pro­duk­ti­ons­er­wei­te­rung, eine Bau­stel­le, die pau­sie­ren muss oder auch eine Wei­ter­bil­dung, bei der die erwor­be­nen Kennt­nis­se und Fer­tig­kei­ten in nächs­ter Zeit nicht ange­wandt wer­den kön­nen: es sind jetzt ganz vie­le Gel­der und Inves­ti­tio­nen getä­tigt wer­den, die kei­nen Effekt hat­ten oder umsonst waren. Die­se wer­den als sunk costs in die Öko­no­mie bezeich­net (Weibler 2010: 73). Das Pro­blem ist nun aller­dings ers­tens, dass die hier ver­sun­ke­nen Gel­der schlicht für Post-Kri­­sen-Inves­­­ti­­ti­o­­nen feh­len, und zwei­tens, dass die Erfah­rung die­ser ver­schenk­ten Inves­ti­tio­nen wie­der­um Men­schen auch von sinn­vol­len Inves­ti­tio­nen nach der Kri­se abhal­ten kann, was den Wie­der­auf­bau ver­lang­sa­men wird. Genau des­halb soll­te ein Teil der jet­zi­gen liqui­den und inves­ti­ven Mit­tel auch für die Zeit nach der Kri­se auf­be­wahrt wer­den. Sie wer­den drin­gend benö­tigt wer­den, da vie­les brach lie­gen wird und erst reak­ti­viert wer­den muss. Hier sind dann ins­be­son­de­re die Zen­tral­ban­ken in beson­de­rem Maße in der Pflicht zu han­deln.

Warum Engpässen und Produktionsausfälle wahrscheinlich sind

Die Glo­ba­li­sie­rung war wesent­lich eine öko­no­mi­sche Glo­ba­li­sie­rung. Eine immer stär­ker ver­floch­te­ne inter­na­tio­na­le Arbeits­tei­lung, die auf­grund gesun­ke­ner Tran­s­ak­­ti­ons- und Logis­tik­kos­ten sich ent­wi­ckelt hat und in Euro­pa ins­be­son­de­re vom Schen­gen­raum ohne Grenz­kon­trol­len pro­fi­tiert hat. Beson­ders teu­re oder spe­zi­el­le Güter wur­den oft per Luft­fracht trans­por­tiert.

All dies setzt offe­ne Gren­zen und tat­säch­lich ope­rie­ren­de Logis­tik wie Flü­ge und LKW vor­aus. Zwar sol­len die Gren­zen für Men­schen geschlos­sen wer­den, für Waren jedoch nicht. Solan­ge aber das auto­no­me Fah­ren noch in den Kin­der­schu­hen steckt, ist die­se Auf­tei­lung künst­lich, da es ja immer noch Fah­re­rin­nen und Fah­rer, Kapi­tä­nin­nen und Kapi­tä­ne, Pilo­tin­nen und Pilo­ten sind.

Vor allem aber hat sich im Zuge der inter­na­tio­na­len Arbeits­tei­lung und auf­grund des inten­si­ven Wett­be­werbs­drucks zuneh­mend eine just-in-Time oder sogar just-in-pro­­cess-Pro­­­duk­­ti­on eta­bliert, bei der benö­tig­te Tei­le genau pas­send gelie­fert wer­den sol­len, um teu­re Lager­ka­pa­zi­tä­ten und somit ver­meint­lich unnö­ti­ge Kos­ten zu ver­mei­den. Dies rächt sich nun, da just-in-time extrem stör­an­fäl­lig ist (Yogeshwar 2017: 26f; Glassner/Pernicka/Dittmar 206: 266f) und schon klei­ne Aus­fäl­le kom­ple­xe Lie­fer­ket­ten zum Erlah­men brin­gen kön­nen. Dies wie­der­um kann zu Pro­­­duk­­ti­ons- und Lie­fer­aus­fäl­len und somit für wei­te­re Umsatz­ein­bu­ßen und Kurz­ar­beit oder Arbeits­lo­sig­keit füh­ren.

Corona und das Fixkostenproblem

Jeder Mensch und jeder Betrieb hat bestimm­te, nicht oder nicht kurz­fris­tig abän­der­ba­re Fix­kos­ten. Die wich­tigs­ten Fix­kos­ten sind für vie­le Men­schen schlicht die Mie­te, und gera­de in den Städ­ten sind die­se ja in den letz­ten Jah­ren enorm gestie­gen. Eben­so sind Ver­si­che­rungs­bei­trä­ge, lau­fen­de Kre­di­te, bestimm­te Abon­ne­ments und wei­te­re lau­fen­de Kos­ten eben Fix­kos­ten. Für die Unter­neh­men sind neben den in den Anla­gen ste­cken­den Kos­ten auch die Gehäl­ter zunächst ein­mal und völ­lig zurecht über­wie­gend Fix­kos­ten. Denn in einer sozia­len Markt­wirt­schaft soll­te das unbe­fris­te­te Nor­mal­ar­beits­ver­hält­nis der Stan­dard sein.

Die­se Kos­ten lau­fen ja jetzt erst ein­mal für alle wei­ter, obgleich gera­de bei den Unter­neh­men, ins­be­son­de­re bei Frei­be­ruf­lern und Selb­stän­di­gen die Umsatz­ein­brü­che teils dra­ma­tisch sind und nicht sel­ten in den kom­men­den Wochen (und schlimms­ten­falls Mona­ten) schlicht auf Null gehen. Genau des­halb ist es so wich­tig, dass in den jetzt ver­ein­bar­ten Hilfs­pro­gram­men nicht ein­fach nur Kre­di­te, son­dern auch Liqui­di­täts­hil­fen drin sind. Eine Insol­venz­wel­le wird sich nicht ver­mei­den, aber sehr wohl doch begren­zen las­sen. Denn das Pro­blem bei den Fix­kos­ten und den dar­aus resul­tie­ren­den Insol­ven­zen ist, dass neben die­sen tra­gi­schen per­sön­li­chen Schick­sa­len die­se immer auch Zah­lungs­aus­fäl­le nach sich zie­hen wer­den, die dann die Real­wirt­schaft immer wei­ter belas­ten. Genau des­halb ist auch die unbü­ro­kra­ti­sche Mög­lich­keit der Steu­er­stun­dun­gen und der Ver­zicht auf Voll­zugs­maß­nah­men sei­tens der Finanz­äm­ter bis Ende 2020 abso­lut fol­ge­rich­tig. Denn eigent­lich sind Steu­ern Fix­kos­ten, und so kön­nen sie zumin­dest in Tei­len zu varia­blen Kos­ten wer­den und damit Liqui­di­tät ermög­li­chen und Insol­ven­zen ver­hin­dern.

Millionenfache Dequalifizierung als volkswirtschaftliches Problem

Die deut­sche Volks­wirt­schaft ist hoch ent­wi­ckelt und sehr pro­duk­tiv. Immer mehr Wert­schöp­fung ist sehr wis­sens­in­ten­siv (Malik: 2011). Und allen Wei­ter­bil­dun­gen und Trai­nings­maß­nah­men zum Job ist das ein­fa­che Tun, das trai­­ning-on-the-job, der bes­te Weg, Fähig­kei­ten und Kom­pe­ten­zen zu erhal­ten und aus­zu­bau­en (Scha­per: 2019). Men­schen, die kom­ple­xe Fer­ti­gungs­an­la­gen bedie­nen, mit Pro­gram­men arbei­ten, wel­che nur inner­halb der Fir­ma, aber nicht im Home-Office ver­füg­bar sind, die direkt mit ande­ren Men­schen arbei­ten und das in einer Form, die nicht wirk­lich durch Video­kon­fe­ren­zen ersetz­bar sind, wer­den in die­ser Zeit eine Dequa­li­fi­zie­rung erle­ben. Mil­lio­nen von Fach­kräf­ten wer­den durch die vie­le Zeit mit ihren Kin­dern enor­me päd­ago­gi­sche und didak­ti­sche Kom­pe­ten­zen erler­nen. Ihr beruf­li­ches Wis­sen aller­dings wird dadurch in Tei­len ver­blas­sen und dadurch viel an Wert­schöp­fung, die es ohne die Coro­na­kri­se gege­ben hät­te, schlicht nicht geben. Dies bezeich­net man als Oppor­tu­ni­täts­kos­ten (Young/Beckman/Baker: 2012). Die­se wer­den immens sein und einer der Haupt­grün­de der glo­ba­len Wohl­stands­min­de­rung. Je ent­wi­ckel­ter, pro­duk­ti­ver, arbeits­tei­li­ger und wis­sens­in­ten­si­ver eine Volks­wirt­schaft ist, umso gra­vie­ren­der wirkt sich die Zeit aus, die wir nicht mit unse­rer eigent­li­chen Arbeit befasst sind. Nicht umsonst haben jun­ge Müt­ter in qua­li­fi­zier­ten Jobs und Füh­rungs­po­si­tio­nen zuneh­mend Schwie­rig­kei­ten, wie­der in den Job ein­zu­stei­gen (was aber natür­lich auch mit anti­quier­ten Rol­len­bil­dern, Füh­rungs­sti­len und teils schlicht man­geln­der Fle­xi­bi­li­tät zu tun hat). Hier gilt es daher jetzt, mög­lichst auch im Home-Office tat­säch­lich wert­schöp­fen­de Tätig­kei­ten voll­füh­ren zu kön­nen und auch im Ver­gleich zum Büro mög­lichst arbeits­fä­hig zu sein.

Die Coronakrise als unglaubliche unfreiwillige Digitalisierung

Natür­lich birgt die Kri­se auch Chan­cen, und zwar ins­be­son­de­re für die Digi­ta­li­sie­rung. Hier hat Deutsch­land ja gera­de im euro­päi­schen Ver­gleich tat­säch­lich Nach­hol­be­darf (Cor­ne­li­us: 2019). Das Home-Office, wel­ches teils schon wie­der auf dem Rück­zug begrif­fen war (Kock/Kutzner 2018: 446-488), wird jetzt mil­lio­nen­fach Rea­li­tät. Men­schen wer­den Video­kon­fe­ren­zen und ver­netz­tes Arbei­ten als trai­­ning-on-the-job erler­nen. Webi­na­re erle­ben eine unge­ahn­te Kon­junk­tur und die Orga­ni­sa­tio­nen, die schon vor der Kri­se in gut gepfleg­te Wis­sens­ma­nage­ment­sys­te­me inves­tiert haben, wer­den jetzt beson­ders pro­duk­tiv sein. Nach­dem dann an vie­len Stel­len Men­schen gemerkt haben wer­den, dass auch die­se Form der Arbeit mög­lich und nicht sel­ten sinn­voll ist, wird zumin­dest in Tei­len die Prä­senz­kul­tur über­dacht wer­den und die Digi­ta­li­sie­rung deut­lich vor­an­ge­schrit­ten sein. Bei den ein­zel­nen Beschäf­tig­ten, den Unter­neh­men, aber auch den Ver­wal­tun­gen. Dies wird nach der Kri­se anhal­ten und die Pro­duk­ti­vi­tät und das selbst­be­stimm­te Arbei­ten ins­ge­samt erhö­hen.

Weitere ökonomische Chancen durch die Coronakrise

Nach der Kri­se wird es viel nach­ho­len­de Kon­sum­ti­on geben. Die­je­ni­gen, die Geld haben und auf vie­les ver­zich­ten muss­ten, ins­be­son­de­re durch Aus­gangs­sper­ren, wer­den rei­sen, kon­su­mie­ren und die Annehm­lich­kei­ten des Lebens genie­ßen wol­len. Davon wer­den die­je­ni­gen pro­fi­tie­ren, die die­se Kri­se über­lebt haben. Die Maschi­nen­bau­er wer­den, nach­dem vie­les nicht pro­du­ziert wor­den ist, dann einen beson­de­ren Absatz haben, eben­so das Gesund­heits­we­sen. Wer nach dem Ende der Kri­se an den Bör­sen ein­steigt, wird schon auf­grund von Erho­lungs­ef­fek­ten Kurs­ge­win­ne ein­fah­ren, ins­be­son­de­re wenn es in der Coro­na­kri­se tat­säch­lich zur klas­si­schen V-Kur­­ve an den Finanz­märk­ten kommt. Jedoch wer­den deut­lich weni­ger Men­schen über­haupt die Mög­lich­keit haben, dann ein­zu­stei­gen. Der gesam­te Bereich der Gesund­heits­wirt­schaft wird not­wen­di­ger­wei­se pro­fi­tie­ren, da sehr vie­le Men­schen auf Gesund­heits­leis­tun­gen ange­wie­sen sind und allein schon für die Prä­ven­ti­on künf­ti­ger Pan­de­mi­en sehr vie­le Mit­tel auf­ge­wen­det wer­den. Eben­so wer­den alle Anwen­dungs­be­rei­che der Künst­li­chen Intel­li­genz, wel­che daten­ge­trie­ben Geschäfts­mo­del­le betrei­ben, ent­de­cken und wei­ter­ent­wi­ckeln, in hohem Maße pro­fi­tie­ren. Jedoch wird die Zahl der Per­so­nen, Betrie­be und Bran­chen, die pro­fi­tie­ren, ver­schwin­dend gering sein im Ver­gleich zu den vie­len Insol­ven­zen, Pri­vat­in­sol­ven­zen und erzwun­ge­nen Arbeits­lo­sig­kei­ten.

The-winner-takes-it-all-Märkte vs. Wirtschaftswunder 2.0

Natür­lich wird sich die Öko­no­mie irgend­wann erho­len. Wann und wie stark, ist jedoch nicht nicht abseh­bar. Und es wird vor allem kei­ne gleich­wer­ti­ge Erho­lung sein, von der alle zumin­dest halb­wegs pro­fi­tie­ren, wie es beim so genann­ten „Wirt­schafts­wun­der“ (Herr­mann: 2020; Ther: 2019) der Fall war. Denn damals stieg tat­säch­lich simul­tan die Pro­duk­ti­vi­tät und die Mas­sen­kauf­kraft. Die Ana­lo­gie ist hier, dass es eine Zeit der öko­no­mi­schen und kon­sum­ti­ven Zurück­hal­tung bis zu einem bestimm­ten Punkt gab, näm­lich der Wäh­rungs­re­form, was hier das Ende der Kri­se sein wird. Das Pro­blem ist nur, dass wir es damals mit sehr regio­na­len Märk­ten und kaum ersetz­ba­ren Pro­duk­ten zu tun haben. Durch die Glo­ba­li­sie­rung und ins­be­son­de­re die Digi­ta­li­sie­rung, wel­che ja durch die Coro­na­kri­se inten­si­viert wer­den wird, haben sich Märk­te immer stär­ker in „the win­­ner-takes-it-all-Mär­k­­te“ trans­for­miert (Kirch­ner: 2019; Lut­ter: 2013). Das bedeu­tet, dass die Bes­ten, Schnells­ten, Güns­tigs­ten und/oder Effek­tivs­ten Unter­neh­men die meis­ten Gewin­ne abschöp­fen wer­den, wäh­rend für den zwei­ten und drit­ten Anbie­ter kaum etwas übrig bleibt. Denn Online ist ja mitt­ler­wei­le alles ver­füg­bar, und war­um soll man sich mit weni­ger als dem Markt­füh­rer zufrie­den geben? Jeden­falls ist das die Logik, der immer mehr Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten fol­gen (vgl. Reck­witz: 2018). Das aber bedeu­tet dann zwangs­läu­fig, dass die Gewin­ne des Auf­schwungs sehr ungleich ver­teilt sein wer­den (Piket­ty: 2014), was für die sozia­le Sta­bi­li­tät der Gesell­schaft erheb­li­che Nach­tei­le mit sich brin­gen wird.

Abgeleitete Maßnahmen

  1. Alle bis­her getrof­fe­nen Ret­tungs­maß­nah­men sind rich­tig und müs­sen ggf. noch erwei­tert wer­den
  2. Die Steu­er­stun­dun­gen sowie der Ver­zicht auf mög­li­che Voll­stre­ckungs­maß­nah­men bis Ende 2020 sind rich­tig. Je nach Kri­sen­ver­lauf soll­ten auch die­se ver­län­gert wer­den.
  3. Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se soll­ten mög­lichst bei­be­hal­ten wer­den, um Men­schen nicht in Exis­tenz­nö­te zu stär­ken und Wis­sen und Erfah­run­gen in den Unter­neh­men zu hal­ten.
  4. Es soll­ten nicht nur Kre­di­te, son­dern direk­te Liqui­di­täts­hil­fen aus­ge­ge­ben wer­den
  5. Wei­ter­bil­dungs­an­ge­bo­te für das Home-Office wie Mas­si­ve Open Online Cour­ses und Webi­na­re soll­ten bereit­ge­stellt und ggf. geför­dert wer­den
  6. Kurz­fris­ti­ge Arbeits­platz­ver­la­ge­run­gen in die Berei­che, in denen jetzt beson­ders Arbeits­kräf­te gebraucht wer­den (Ein­zel­han­del, Logis­tik etc) sol­len unbü­ro­kra­tisch ermög­licht und ggf. geför­dert wer­den.
  7. Es soll­ten inves­ti­ve Mit­tel für die Zeit nach der Kri­se bereit­ge­hal­ten wer­den, um den Wirt­schafts­auf­schwung zu sti­mu­lie­ren. Es wird einen euro­päi­schen Mar­shall­plan brau­chen.

Lite­ra­tur

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Young, Gary/Beckman,Howard/Baker, Errol (2012). Finan­ci­al incen­ti­ves, pro­fes­sio­nal values and per­for­mance: A stu­dy of pay-for-per­­for­­mance in a pro­fes­sio­nal orga­ni­za­ti­on. Jour­nal of Orga­ni­za­tio­nal Beha­vi­or, 7, S. 964-983

Die drei I oder: Als Team im Homeoffice – Tricks und Tipps

19. März 2020

Wie gehen Online-Meetings besser?

Psychosoziale Funktionen der Arbeit

Die Erwerbs­ar­beit dient nicht nur dazu, den Lebens­un­ter­halt zu bestrei­ten und in die Gesell­schaft inte­griert zu sein. Zur Arbeit gehö­ren auch wich­ti­ge psy­cho­so­zia­le Funk­tio­nen, wie die Struk­tu­rie­rung der Zeit, sozia­le Aner­ken­nung, das Erle­ben per­sön­li­cher Kom­pe­tenz, mensch­li­cher Kon­takt und auch die Eta­blie­rung einer per­sön­li­chen Iden­ti­tät (bei­spiel­haft in dem Satz ver­dich­tet: “ich bin [Beruf”. Die­se psy­cho­so­zia­len Funk­tio­nen sind wich­tig, und soll­ten mög­lichst auch im Home-Office erhal­ten blei­ben, zum Bei­spiel durch Video­kon­fe­ren­zen und Tages­zie­le.

Bedeutung von Tagesstruktur

Die Tages­struk­tur ist wich­tig für ein funk­tio­nie­ren­des Zeit- und Selbst­ma­nage­ment sowie effek­ti­ves Arbei­ten. Hier­zu gehört, sich fes­te Zeit­blö­cke für bestimm­te Auf­ga­ben zu suchen und gera­de bei kom­ple­xen Auf­ga­ben auch mög­lichst unge­stört zu arbei­ten. Eben­so sind wir Men­schen in star­kem Maße Gewohn­heits­tie­re. Gewohn­hei­ten geben Sicher­heit und Halt, was in einer sol­chen Kri­sen­si­tua­ti­on wich­tig ist. Mit Kin­dern erscheint dies schwie­rig, läßt sich aber trotz­dem ver­su­chen, denn auch Kin­dern hilft Struk­tur.

To do, to love und have done

Eine to-do-Lis­­te ist ein guter und soli­der Anfang für das Arbei­ten im Home-Office. Fest defi­nier­te Tages­auf­ga­ben, am bes­ten mit ent­spre­chen­der Prio­ri­sie­rung (A= sehr wich­tig, B= mit­tel­mä­ßig wich­tig C= nicht so wich­tig) hilft bei der Selbst­struk­tu­rie­rung. Jedoch soll­te das Leben nicht nur aus einem Müs­sen bestehen, wes­halb eine to-love Lis­te dar­un­ter sehr sinn­voll ist. Hier wer­den 2-3 Din­ge notiert, die wir bewusst machen wol­len und die schön sind. Am Ende des Tages eine have-Done-Lis­­te macht Sinn, um den Leis­tungs­stolz zu akti­vie­ren und zu erle­ben, was man alles geschafft hat.

Sinnvoller Softwareeinsatz

Wich­tig ist, dass die Soft­ware zu ihrem Team und ihren Bedürf­nis­sen passt, von allen ver­stan­den wird und am bes­ten erst ein­mal an Übungs­auf­ga­ben getes­tet wird, bevor sie sich rea­len Auf­ga­ben zuwen­den. Ob Micro­soft Teams, Goog­le­Han­gouts, Sky­pe, Trel­lo, Slack oder als Video­kon­fe­renz­soft­ware Zoom oder Goto­We­bi­nar ist nicht ent­schei­dend. Ent­schei­dend ist, sich gemein­sam auf eine Soft­ware zu eini­gen, die­se dann immer wie­der zu nut­zen (so genann­tes trai­­ning-on-the-job) sowie ihren Ein­satz immer mal wie­der zu reflek­tie­ren.

Rituale für Online-Meetings

Beim vir­tu­el­len Arbei­ten sinkt der direk­te Kon­takt mit­ein­an­der, das heißt die Bezie­hun­gen unter­ein­an­der wer­den schwä­cher. Ein “Wie geht’s? Was machen die Kin­der?” ist via Mail, Mes­sen­ger oder auch in der Online­kon­fe­renz nicht so ein­fach wie in der Büro­kü­che. Wir Men­schen sind aber sozia­le Wesen und brau­chen das.

Online-Mee­­tings wie­der­um lei­den dar­un­ter, dass

  1. die Ablen­kungs­ge­fahr sehr groß ist, weil alle das elek­tro­ni­sche Gerät ja eh nut­zen und da die nächs­te Mail auf­blinkt 
  2. der direk­te Kon­takt redu­ziert ist, selbst bei einer Video­kon­fe­renz
  3. Bei­trä­ge etwas zeit­ver­setzt kom­men

Was hilft? Ritua­le, Fokus, Abwechs­lung im Mee­ting, Bezie­hungs­pfle­ge und Moti­va­ti­on.

Ritua­le klingt nach Gegen­teil von Abwechs­lung? Nicht unbe­dingt. Wenn sie Ritua­le ent­wi­ckeln wie Ankom­men, Agen­da, The­men, Schö­nes am Ende. Dann haben Sie eine kon­ti­nu­ier­li­che Struk­tur, die in sich Abwechs­lung ver­spricht. Fokus bedeu­tet, sich wirk­lich zu kon­zen­trie­ren. Wie stel­len Sie das sicher? Zum Bei­spiel beim Ankom­men: Jede Per­son erzählt kurz, wie es ihr geht und wel­che Anwen­dun­gen sie aus­ge­schal­tet hat, um jetzt voll beim Mee­ting zu sein. Im ech­ten Mee­ting wür­den alle ihre Han­dys weg­le­gen oder aus­schal­ten, online sagen wir das eben. 

Sie brau­chen zudem Regeln für Rede­bei­trä­ge: Haben sie eine Mode­ra­ti­on, wer­den Rede­bei­trä­ge per Hand­zei­chen ange­kün­digt und dann per Mode­ra­ti­on zuge­wie­sen?

Wie umge­hen mit der Angst und dem Frust? Las­sen Sie das Schö­ne nicht zu kurz kom­men. Unser Gehirn ist schon eh sehr auf Kri­se fokus­siert, hel­fen Sie sich und Ihrem Team da raus. Las­sen Sie jede Per­son tei­len, was schön ist, was sie gemeis­tert hat, wel­che Her­aus­for­de­rung toll ist. Das kön­nen Sie am Anfang beim Ankom­men, in der Mit­te machen und sie soll­ten etwas posi­ti­ves am Ende tei­len las­sen, damit sie sich gegen­sei­tig moti­vie­ren.

Die Drei I sicherstellen: Informationsfluss und Inspiration und Ideen:

War­um gibt es eigent­lich Büros und Tref­fen? Drei Grün­de: Leu­te, die in einer Orga­ni­sa­ti­on zusam­men­ar­bei­ten haben kür­ze­re Wege und kön­nen so Infor­ma­tio­nen aus­tau­schen. Dabei arbei­ten sie gemein­sam an Pro­ble­men, inspi­rie­ren sich und so kommt Ihre Orga­ni­sa­ti­on oder Unter­neh­men auf neue Ide­en und Pro­duk­te. Dazu gehö­ren aber auch die infor­mel­len Tref­fen: Die Büro­kü­che, das Mit­tag­essen und sich auf dem Flur begeg­nen. 

Das fehlt im Home­of­fice, dass sich die Buch­hal­tung mal zufäl­lig mit dem Mar­ke­ting trifft und dabei zufäl­lig auf­fällt, das bei­de am sel­ben Pro­blem arbei­ten und einer schon eine Lösung dafür hat.

Fol­ge: Stel­len Sie auch das sicher, dass sich Leu­te Abtei­lungs­über­grei­fend tref­fen und aus­tau­schen. Wie? Drei Ide­en: 1. Ent­we­der indem eine Füh­rungs­kraft vor­gibt, wer mal mit wem spricht oder 2. Indem Sie das im Team bestim­men und 3. Sie soll­ten das Teil ihrer gemein­sa­men Online Mee­tings machen: Neu­es von ande­ren. 

Aufgaben für die Führungskraft

Es gibt vie­le Theo­ri­en und Model­le, wel­che die Auf­ga­ben einer Füh­rungs­kraft beschrei­ben und defi­nie­ren. Wir hal­ten das Füh­rungs­rad nach Malik für ein sehr gang­ba­res Modell, wel­ches als Auf­ga­ben die Ziel­set­zung, die Orga­ni­sa­ti­on, das Ent­schei­den, die Kon­trol­le sowie die För­de­rung von Men­schen defi­niert. Dies wie­der­um lässt sich rea­li­sie­ren, indem Tages- oder Wochen­auf­ga­ben defi­niert, Zustän­dig­kei­ten ver­teilt und deren Erfül­lung auch ent­spre­chend betrach­tet wird. Die Füh­rungs­kraft soll­te ihre Ent­schei­dun­gen trans­pa­rent und klar kom­mu­ni­zie­ren und gera­de in die­ser Zeit gut über­le­gen, wel­che Wei­ter­bil­dun­gen für die Mit­ar­bei­ten­den gera­de sehr sinn­voll sind. Gera­de die Digi­tal­kom­pe­ten­zen las­sen sich in die­ser erzwun­ge­nen Prä­senz­pau­se stär­ken.

Aufgaben für Teammitglieder

Die wich­tigs­te Auf­ga­be für Team­mit­glie­der ist es, tat­säch­lich kon­zen­triert dabei zu sein und sich kurz zu fas­sen und auf den Punkt zu kom­men. Bestimm­te Din­ge, die gemein­sam bespro­chen wer­den kön­nen, soll­ten vor­be­rei­tet wer­den, um über kon­kre­te Sach­ver­hal­te zu spre­chen. Hier­bei gilt natür­lich, die Net­ti­quet­te zu bewah­ren, die auch real gilt.

Am Ende des Tages:

Wer­ten Sie aus, was sie heu­te geschafft haben und schau­en Sie, was mor­gen dran ist.

Es ist nicht schlimm, nicht alles zu schaf­fen; im Gegen­teil, dadurch ler­nen wir.

Das heißt 3 Schrit­te:

  1. Rück­schau
  2. Auf­ga­ben auf­schrei­ben
  3. Prio­ri­sie­ren für den nächs­ten Tag

Unser Tipp: Pla­nen Sie auch etwas ein, wor­auf Sie sich freu­en.

Sicher können wir reden

09. Sep­tem­ber 2019

Rhe­to­rik – das kann man oder nicht? Wer das glaubt wird selig – aber bleibt unter sei­nem Poten­ti­al.

Ler­nen kön­nen wir immer, das zeig­te sich auch hier: Von 33 bis 72 reich­te das Alter der Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer. Bes­ser reden ler­nen, schlag­fer­tig wer­den, geschickt kom­mu­ni­zie­ren – dar­um ging es im beim Work­shop auf Schloss Mans­feld. Wor­um gings – hier ein Aus­schnitt:

  1. Bewuss­ter Ein­satz von Ges­tik
  2. Inten­si­ve Schu­lung der Stim­me
  3. Schlag­fer­tig­keit mit Spaß und Witz.

Umgang mit Polemik und Pöbelei in Pflegeeinrichtungen

17. August 2019

Ein Ehe­mann ver­langt, dass bei sei­ner Frau ein abge­lau­fe­ner Kathe­ter benutzt wird, um Geld zu spa­ren. Ein Ange­hö­ri­ger spricht ver­ächt­lich über das Pfle­ge­team. Wie reagie­ren?

Wir schul­ten Lei­tungs­kräf­te aus Pfle­ge­ein­rich­tun­gen im Umgang mit Pole­mik und Pöbe­lei. Mit den sie­ben Stu­fen der Schlag­fer­tig­keit übten alle, in Kon­tro­ver­sen fle­xi­bel ant­wor­ten zu kön­nen: Diplo­ma­tisch, wit­zig, mit kla­rer Kan­te oder auch einer Mischung aus allem. Wir übten Kör­per­spra­che, Gedan­ken­schnel­lig­keit, den Umgang mit Selbst­zwei­feln; wie immer in einem Mix aus Coa­ching, klei­nen Übun­gen, knap­pen Input und Rol­len­spie­len.

Hier drei der vie­len Tricks, die wir übten:

  1. Siche­re Hal­tung mit posi­ti­ven Gedan­ken
  2. Rou­ti­nen haben für die gän­gigs­ten Angrif­fe
  3. Manch­mal reicht ein: „Wie bit­te?!“

Was wie­der klar wur­de: Pfle­ge ist ein har­ter Job, der von vie­lem Men­schen mit wei­chem Herz gemacht wird. Und die­se Men­schen wer­den auch mal ange­pö­belt oder ange­schrien. Wir waren tief beein­druckt, dass wir Men­schen ken­nen ler­nen durf­ten, die trotz sol­cher Atta­cken mit Her­zens­wär­me ihren Job wei­ter­ma­chen.

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